Kaltschweißattacken

KALTSCHWEIßATTACKEN
Requiem für vor Euphorie aufgeschlagene Knie
(Residenz Verlag 2009)

Die Hölle der Mutterschaft, der Tod der Liebe: ein Requiem für vor Euphorie aufgeschlagene Knie.

Sie ist wegen Ivan gekommen, für ihn ist sie hier, Ivan ist ihre Heimat, der Ort ihrer Wünsche und Sehnsüchte, der großen Idee von Liebe. Doch als sie schwanger wird, zuerst ein Kind dann drei, ist Ivan der, der diese Idee verraten hat, ihre Liebe wird zur Obsession, geht unter in Exzessen der Gewalt. Denn der Verrat verlangt nach Rache, und die Rache ist so leidenschaftliche wie die Liebe so brutal wie das Begehren.

„Ich bin die Mutter. Ich habe sie geboren ich kann mit ihnen machen was ich will."

Michaela Falkner erzählt vom Tod einer Liebe mit der Theatralik einer griechischen Tragödie. Und sie macht gleichzeitig in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit den alltäglichen Schrecken eines Familiendramas erkennbar. Diese Autorin hat den unbedingten Mut zur großen Pose, zum eisigen Pathos der Zerbrechlichkeit und der Grausamkeit.


Pressestimmen

Eine dichtgewebte Textur aus hingebungsvollen Liebesbezeugungen und Hasstiraden, Gewaltexzessen und Angst-Attacken; durchbrochen von surrealen Splittern und zärtlichen poetischen Momenten. (...) Michaela Falkner führt in ihren „Kaltschweißattacken" eine Operation am offenen Sprachherzen vor. In ihrer literarischen Performance fügt sie dem fleischgewordenen Wort schwelende Satzwunden und nicht heilende Wortnarben zu. (...) Die enorm hohe Dynamik des Textes durch den stark wechselnden Rhythmus verdichtet sich mehr und mehr zur rauschhaften Komposition. (...) Der radikal zärtliche Text trifft den Leser schutzlos.
(Deutschlandradio.kultur, Michaela Schmitz)

Michaela Falkner zählt zu den radikalsten Autorinnen ihrer Generation. (...) die Unbedingtheit mit der sich diese rigorose Künstlerin ihren Textflächen und Wortgeröllhalden widmet.
(Wolfgang Paterno, profil)

Falkners Prosa liest sich wie ein immer schneller, immer schriller werdender Fiebertraum. Kurze, hingeworfene Sätze lassen Bilder entstehen, die an Filme von David Lynch erinnern. Kleine Miniaturen großer Gefühle, Momentaufnahmen von Hass, Wut und Verzweiflung, Beschreibungen einer wilden unerklärlichen Hingezogenheit zu einem Menschen, ständiges Aufblitzen einer enormen destruktiven Energie (...). Herkömmliche Begriffe wie Mutterliebe, zärtliche Zuneigung, familiäre Geborgenheit werden weggespült von einem beispiel- und beistrichlosen Schwall an Gewaltfantasien, bei denen die eigenen Kinder ebenso selbstverständlich als Zielobjekte eingesetzt werden wie der eigene Körper. Falkner, die in ihren Performances ihre Texte als „sprachliche Kampfeinheiten" durchexerziert, führt diesen Kampf bewusst ohne jeden Kompromiss. Gefangene werden nicht gemacht. (...) „Kaltschweißattacken lässt sich als Sprach-Experiment lesen, als auf die Spitze getriebene Negation gesellschaftlicher Konventionen oder als Vorlage für eine furiose, Gänsehaut erzeugende Performance.
(Wolfgang Huber-Lang, APA)

Michaela Falkner gehört mit ihren Texten und Performances zu den herausragenden Vertreterinnen einer Avantgarde, die nicht mehr auf die überlebensgroßen Vorbilder der Wiener Gruppe referiert, sondern sich selbstbewusst Fragmente von Sprach- und Gesellschaftskritik einverleibt, und diese spielerisch-ironisch zu neuen Formen des literarischen Sprechens umformt.
(Peter Zimmermann, ex libris, Ö1)

Es geht ihnen ja um die Modelle des Erzählens und darum, Intensität herzustellen. Und die kommen weniger aus ihrer persönlichen Erfahrungswelt, sondern die kommen von Modellen der Beschreibung her. (...) Eine sehr dichte Arbeit.
(Klaus Kastberger, aus einem Interview in ex libris, Ö1)

Michaela Falkner versteht ihre Arbeit als Dokumentation einer kritischen Zeitgenossenschaft. In Kaltschweißattacken erzählt sie erbarmungslos vom Tod einer Liebe (...) ihre Figuren fühlen sicher keiner Moral verpflichtet. Sie weisen alles zurück was an vorgefertigten Vorstellungen an sie herangetragen werden. Pathos, große, bisweilen monströse Gefühle, spielen in dieser Literatur eine zentrale Rolle.
(Katja Gasser, les.art, ORF) 

Was das metaphorische Umfeld betrifft, rekurriert Falkner auf Vorgaben, die wir zu kennen glauben, nur nicht in dieser Intensität. (...) Über weite Strecken sucht der Text, der eine Prosa-Inszenierung ist, die heftigsten Momente, die zu haben und zu erfahren sind.
Im Fall der 'Kaltschweißattacken' vermeint man, wenn die Autorin den Text liest und dabei geradezu in ihn hineinfällt, fast so etwas wie eine antike Kindsmörderin vor sich zu sehen: „Ich bin die Mutter. Ich kann mit ihnen machen was ich will."
(Klaus Kastberger, Die Presse)

Der experimentelle Text ist eine dicht gewebte Textur aus hingebungsvollen Liebesbezeugungen und Haßtiraden, Gewaltexzessen, Angst-, Schmerz- und Panik-Attacken; durchbrochen von Hilferufen und dem Wunsch, dass es endet: "Dann falle ich um ich falle einfach um." Im Gewebe verdichten sich Wortfelder zu situativen Fragmenten und Bedeutungsinseln: Es gibt Andeutungen einer Bahnfahrt, ein Wohnhaus mit Treppe und Garten, Krankenhaus- und Geburtsszenen, Weihnachtsvorbereitungen, Hinweise auf eine Kriminaluntersuchung. Der Rest findet in den Phantasien der Leser und in den Eingeweiden der Sprache statt.
In dem Maße, in dem die Autorin das eigene Ich zum Austragungsort literarischer Entwürfe macht, wird die Sprache körperlich. Folgerichtig wird der im Wortsinn verstandene Text-Körper zum direkten Objekt der Gewalt. Michaela Falkner führt in ihren "Kaltschweißattacken" eine Operation am offenen Sprachherzen vor. In ihrer literarischen Performance fügt sie dem Fleisch gewordenen Wort offene Wunden zu. Es bleibt die Gewissheit: "Es wird nicht wieder heil."
Die Autorin bricht der konventionellen Sprachlogik das Genick. Ihr Verfahren? Sie verschmilzt Sätze, Satzeinheiten oder -fragmente ohne Kommata miteinander. Damit öffnen sich die syntaktischen Elemente zum Vorangehenden und Folgenden. Die Wortbedeutungen werden unscharf, die Bezüge der einzelnen Satzsegmente uneindeutig. Der Effekt: Der gewohnte Ablauf der Lektüre wird zerstört; der Leser wird zum wiederholten Lesen gezwungen. Die Bedeutungen beginnen zu schillern, die möglichen Sinnebenen werden potenziert.
(...) Michaela Falkners Text drängt gerade zum Vortrag, zur Performance. Ein Vortrag, der keinen Widerspruch duldet. Der gewalttätige Text trifft den schutzlosen Leser. (...) Falkners "Kaltschweißattacken" sind radikal, provokativ und schonungslos. Die Autorin stellt uns vor die Frage, warum wir im Text unerträglich finden, wovon wir in der Realität tagtäglich umgeben sind. Sie schreibt sich direkt in die Lebenswirklichkeit des Lesers hinein. Was kann man von einem literarischen Text besseres behaupten?
(Michaela Schmitz, Literaturhaus Wien)

Sätze zu lesen, die hingeknallter, wirklicher und unbedingter glaube ich kaum sein könnten. (...) Hart, poetisch, lautmalerisch und dringend. (...) Fazit: Eine Reihe von ganz wilden familiären Inhalten, von rohen, freigelassenen, daher wohltuenden Gefühlen und von einer ungezähmten Poesie. Ferner meine Freude an diesem Entsetzlichen, dass sie es schreiben konnte und dass ich es lesen durfte. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne dann springt er in den Tod." Und DAS ist nur der Anfang.
(Erika Wurzenreiner, DUM)


Kaltschweißattacken ist starker Tobak. Vordergründig als Liebesgeschichte getarnt, hintergründig als Tragödie um eine Mutter angelegt, die ihre Kinder verstößt, im Wald aussetzt (...) weiß Falkner nicht nur mit der experimentellen Feder zu becircen, sondern sich auch auf die schleichende Nachgeburt ihres sprachlichen Könnens zu verlassen.
(Eva Morocutti, the gap)

Bücher

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