Manifeste & Interventionen
19. April bis 22. November 2005
im Rahmen der MAK NITE (Museum für Angewandte Kunst, Wien)
Die Autorin beschäftigt sich in ihren Manifesten mit dem Obszönen, Schockierenden und Erschreckenden einer Stellungnahme. Sie beteuert, bezieht Stellung, setzt sich aus, stellt sich an die Wand, verwundbar und angreifbar. Ausgestellt. Ihr lyrisch-abstoßendes gestisches Repertoire vorführend, sprachliche Bilder nebeneinander, mit deren Nähe man erst einmal fertig werden muss ...
Es werden Fragen verhandelt wie: Inwieweit Stellungnahme überhaupt den Wunsch nach einer Reaktion, gar Objekt einer Reaktion zu sein, impliziert. Stellungnahme in ihrer radikalen Subjektivität, ihrer Unbedingtheit, ihrem Manifestcharakter. Der performative Charakter eines Textes, eine Form des Proklamierens und Postulierens in seiner grundsätzlich hermetischen Verfasstheit. Stellungnahme ohne Dialog ein vor die Füße kippen. Der egoistische Reiz einer Stellungnahme. Jedenfalls aber Konfrontation und Ernsthaftigkeit einmahnend, Auseinandersetzung erzwingen durch radikale Offenheit, einer letztlich berührenden Offenheit der man sich nicht entziehen kann.
Militante Romantikerin. Die Poesie des Aktes der Stellungnahme, die Sehnsucht sich an die Wand zu stellen bebildernd ...
Photo: Erwin Peter Pani.
Manifest-04
COUNTING ON ME LOVING YOU BACK - EINE ZURÜCKWEISUNG
31.05.2005. Museum für Angewandte Kunst, Wien.
(Fotos: Alessandra Appel-Palma)

„Falkner II. Eine Moritat in siebzehn Bildern"
(Czernin-Verlag, 2006; ISBN: 3-7076-0089-0).
Michaela Falkner geht in ihrem neuen Buch Falkner II mit großem Ernst und erschütternder Radikalität ans Werk.
Ihre Hauptfigur gibt sich einer einsamen Revolte hin, auf der Suche nach einer radikal anderen, wirklich entscheidenden abschließenden Gewalt und meint gleich zu Beginn: „Vom Aufschrei Tausender wird die Rede sein." Euphorie, Passion und Enthusiasmus im gewaltvollen Agieren. Drastische und düstere Szenen, lustvolle körperliche Attacken, stets das aktive Moment betonend. Die vollkommene Zerstörung einer Ordnung. Genüsslicher und roher Zug in der Schilderung, der großen Pose keinesfalls abhold.
Unversöhnliche harte Etüden - eine Moritat in siebzehn Bildern.
Textauszug
In beginnendem Banne Ellbogen am Tisch grüne Flecken auf
schönen Händen Hieben nachsinkend schwärmerisch gegen
die Brust stemmend Beine brechen Beine brechen mit allen
daraus sich ableitenden Ansprüchen.
Den Schlachtruf auf den Lippen: „I want You!"
Gereinigt und plan geschliffen spiegelblank poliert die Oberfläche
für nachfolgende Rituale empfindlich machen.
In Schläge gefasst weitausholenden Schrittes entsteht eine
Mischung mit relativ fettigem Charakter ihr magerer Körper in
sie eindringen die womöglich einzige weiche Stelle.
Über Knochen gespannte Haut.
Gekalkt gekreidet und weiß eingefärbt nehme ich den Schädel
mit und nun trage ich die Farben zurück.
Measuring your own Grave.
THE EXECUTION OF LUDWIG
Eine theatralische Hymne
dreitägige Performance & Installation
7.-10. November 2006
Ort: MAK-Säulenhalle
(Museum für Angewandte Kunst, Wien)
In dieser dreitägigen Performance wurden die Themen Macht, Machtvakuum, Willkür, Gehorsam, Abhängigkeit und Gewalt variiert. Die Anwesenden wurden an diesem Abend in eine Zwangssituation gebracht, die zwischen den Elementen Totalität und Schauprozess oszillierte. Falkner selbst ist Zeremonienmeisterin, Überbringerin und Verkünderin ihrer eisigpathetischen Etüde, die in eine militantsexuell konnotierte Utopie ausartet, an deren Ende sie schließlich exekutiert wird und liegen bleibt. Eine Pilgerstätte entstand. Revolte, Realisierungsmöglichkeiten von Totalität, die Leuchtkraft einer Gesetzgebung, aus dem Untergang ein Fest machend ...
(Auftakt im Rahmen der MAKnite: 7. November 2006, 21 Uhr, Museum für Angewandte Kunst, Säulenhalle; Falkner blieb dann drei Tage lang, bis 10. November in der Säulenhalle des MAK liegen).
Photo: Erwin Peter Pani.
Photos:
Alessandra Appel-Palma (1-11); Erwin Peter Pani (12-15, 17, 18); Elke Krystufek (16).




